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Warum Frauen nicht Karriere machen

Brav, sozial und nicht zu aufmüpfig - so wurden früher Mädchen erzogen. Das eigene Ich hinten anstellen. Das Gehirn von Mädchen und Jungen entwickelt sich bereits während der Schwangerschaft unterschiedlich und so sind Jungs in ihren Genen eher dazu veranlagt impulsiv und direkt zu sein. 


Mädchen haben eine andere Prägung und ihr Gehirn ist harmonischer aufgebaut, sie sind häufig sozialer und sprachbegabter. Natürlich trifft das nicht auf alle zu, doch so waren die Rollen in der Vorzeit verteilt, die Frau sammelte die Beeren, pflegte die Kontakte und der Mann ging zur Jagd. Dieses Bild kann man in der heutigen Landschaft noch häufig beobachten.


Spielregeln eines männlichen Gehirns

Mädchen, die heute keine Mädchen mehr sind und in der männerdominierten Wirtschaft arbeiten, haben es mit den Spielregeln nicht immer leicht. Es sind schlicht nicht ihre Spielregeln, sondern die eines männlichen Gehirns. Unsere Arbeitswelt verlangt nach lauter, direkter, fordernder und sichtbarer Leistung. Jungs lieben Kräftemessen und so funktioniert auch unsere klassische und aktuelle Wirtschaft. Vielleicht sogar auch unsere Politik. Männer fragen sich, was Frauen eigentlich für ein Problem haben und sie nicht einfach Karriere machen. Es werden ihnen teilweise Chancen auf dem silbernen Tablet angeboten und sie müssten doch nur noch zugreifen. Dieser Kuchen auf dem Tablet schmeckt vielen Frauen nicht und sie nehmen ihn nicht an. Sie haben es nicht gelernt den Kuchen zu nehmen, der war doch sicherlich für jemanden anderen gedacht. Frauen drehen sich eher noch einmal um und schauen ob sie auch wirklich niemanden diese Chance wegnehmen, ehe sie selbst zugreifen. Sie sind sozial und lassen anderen ihren vermeintlich verdienten Raum. Häufig schlagen Frauen auch berufliche Chancen aus, weil sie meinen, dass sie an anderen Stellen dringender gerufen werden. Die Familie - sie sagt es nicht laut und trotzdem steht die Forderung im Raum, dass die Frau Haushalt, Pflege, Kindererziehung zu leisten hat. Dank der eigenen Erziehung fühlen sie sich direkt angesprochen und übernehmen diese Tätigkeiten, sie liegen ihnen ja in den Genen. Statt einer Beförderung nachzugehen, gehen Frauen nach Hause und erledigen die Hausarbeit. 


Neue Arbeit bedarf neue Regeln

Der moderne Mann, der einer Frau beruflich eine Beförderung angeboten hat, ist folglich irritiert und versteht nicht, warum Frauen ihre Gelegenheiten nicht ergreifen. Nach diesen Erfahrungen sind sie sich sicher, dass die Frau es selbst eben so will. Frauen möchten nicht so viel arbeiten, Frauen möchten eher ihre Zeit mit der Familie und Freunde verbringen. Eine Wahrheit, die in einer männlich orientierten Welt wahr sein mag. Doch diese Sichtweise ist nicht vollständig richtig. Es gibt Frauen, die erfolgreich studieren, in den Beruf einsteigen und auch an einer Karriere interessiert sind. Sie wünschen sich flexible Modelle für ihre Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Familie. Diesem Bedürfnis kann die Wirtschaft gerecht werden und in einer neuen Arbeitswelt Optionen dafür schaffen. Neue Arbeit bedarf neue Regeln und diese sollten von Frauen und Männern geschrieben werden. Um dem Verhalten von Frauen wirklich eine neue Ausrichtung zu geben, müssen wir in der Bildung und Erziehung ansetzen. Kinder werden heute immer noch mit typischen Klischees erzogen. Meist erfolgt dies völlig unterbewusst.


Eine Dokumentation (erschienen bei ZDF) von Collien Ulmen-Fernandes zeigte anhand von siebenjährigen Kindern, wie stark noch immer die Rollenbilder sind. "Frauen sind für Kochen und Putzen eher so geeignet", sagt einer der Jungs. Wir sollten Kinder ermutigen, ihren individuellen Fähigkeiten und Freuden nachzugehen. Wir sollten sie darin bestärken, dass sie wirklich alles werden können in dieser Welt. Dafür brauchen wir Vorbilder in allen Lebenslagen. Zu Hause beim Familienleben, im Kindergarten, in der Schule, Universität, Unternehmen und im Leben. Es braucht Väter, die zu Hause bleiben, Frauen die eine Kfz Ausbildung abschließen und Mütter, die zu Hause bleiben, weil sie es selbst so wirklich wollen. Neben den Vorbildern braucht es auch mehr und bessere Kommunikation. Frauen sollten ihre Sorgen, Ängste und Bedürfnisse kommunizieren, um gehört und verstanden zu werden. 

Wenn Kinder in die Welt gesetzt werden, dann ist das Teamarbeit und bedarf einer Kommunikation und Absprache zwischen zwei Menschen, die verantwortlich für dieses Kind sind. Wie diese Absprache ausfällt, sei jedem selbst überlassen, doch es wäre schön, wenn darüber gesprochen wird und es keine Selbstverständlichkeit ist, dass die Frau die Familienarbeit übernimmt.